Zum Tod von Walter Thirring

Der Physiker Walter Thirring ist heute Nacht im 87. Lebensjahr gestorben. Zehn Jahre und fünf Bücher lang durften wir mit ihm zusammenarbeiten, zehn Jahre, in denen er uns durch seine Menschlichkeit, seine Originalität, seinen Witz und seine überragenden Geistesgröße immer neu in Erstaunen und Bewunderung versetzte. Die österreichische Wissenschaft hat mit ihm einen ihrer souveränsten Repräsentanten verloren.

Illustration: Walter Thirring © Miriam K. Trilety
Illustration: Walter Thirring © Miriam K. Trilety

 

Karl Löbl

Karl Löbl ist in der Nacht vom Montag, 27. Jänner, seiner langen, schweren Krankheit erlegen. Einer Krankheit, die ihn nicht daran hindern konnte, bis wenige Wochen vor seinem Tod noch tätig zu sein, ganz so als ließe sich von einem wie ihm sogar das Unabwendbare abwenden. Geboren 1930 in Wien, begann Karl Löbl seine Laufbahn als Musikkritiker bei der »Weltpresse«, wechselte als Kulturchef zu »Bild-Telegraf« und »Express« und schließlich zum KURIER, wo er 1975 die Chefredaktion übernahm. 1955 heiratete er die Kulturredakteurin Hermine (Hermi) Kronfeld, die ihm bis zu ihrem Tod im Jahr 2012 eine kongeniale Partnerin war. Die Kinder Michael und Eva entstammen dieser 57 Jahre dauernden Ehe. 1980–1995 war er ORF-Kulturchef und gestaltete legendär gewordene Sendungen wie »Lieben Sie Klassik?« und »Klassik-Treffpunkt«. Kultstatus erlangte die TV-Sendung »Nach der Premiere«, in der er seinen Kommentar während des Schlussapplauses live vom Balkon aus abgab. 2006–2012: Musik- und TV-Kritiken, seit 2012 Programm-Texte für die Wiener Staatsoper sowie eine CD/DVD-Kolumne für die »Bühne«. Daneben veröffentlichte er Bücher und Tonträger. Auszeichnungen: Nicolai-Medaille in Gold der Wiener Philharmoniker, Renner-Preis für journalistische Unabhängigkeit, Rudolf-Henz-Ring der »Wiener Zeitung«.

Erst sehr spät konnte Löbl dazu gebracht werden, sich mit seinem eigenen Leben zu beschäftigen. Als dieses Leben sich bereits dem Ende zuneigte, ging er daran, seine Biographie zu verfassen. In der Folge ließ ihn das Bücherschreiben nicht mehr los:

Im Februar 2013 veröffentlichte er seine Erinnerungen »Der Balkonlöwe«, im November darauf folgte »Nach den Premieren«, sein Rückblick auf 70 Jahre Wiener Staatsoper. Und all die Zeit über schien es, als habe der Tod ein Einsehen mit so viel Esprit, Kreativität und Schaffensfreude und gewähre immer noch eine längere Frist.

So begann Löbl sein letztes Werk, eine Biographie, die einem Meister seines Faches gerecht werden sollte: »›Ich war kein Wunder!‹ Herbert von Karajan – Legende und Wirklichkeit«. Der Tod kam ihm diesmal knapp zuvor: Karl Löbl wird sein letztes Buch nicht mehr in Händen halten können. Aber die Kulturkritik wird auch künftig an ihm Maß nehmen müssen.

Karl Löbl

Maria Seifert zu Gast bei Radio Orange – Kulturgeschichte der Neuzeit

Seit 2008 betreut Herbert Gnauer auf Radio Orange ein ambitioniertes, und wahnsinnig spannendes Projekt: eine kommentierte Radiolesung von Egon Friedells »Kulturgeschichte der Neuzeit«. In Folge 87, Romantik und Liberalismus, ist unsere Verlegerin Maria Seifert zu Gast bei Herbert Gnauer, und führt durch Themen wie Laube und Heine – Politische Malerei – Georg Büchner – Nestroy – Andersen – Der blaue Vogel.

Den Radiobeitrag finden Sie unten eingebettet, oder alternativ auch im cultural broadcasting archive.

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