»Margolin«. Ein Thriller der anderen Art.

Eine der eigenwilligsten Persönlichkeiten des zeitgenössischen österreichischen Films, Träger des Prix Italia (2x), des Adolf-Grimme-Preises in Gold (2x), des Großen Diagonale-Preises, etc., etc., der Regisseur und Autor Fritz Lehner, Schöpfer von Filmen wie »Dorf an der Grenze«, »Schöne Tage« und »Mit meinen heißen Tränen«, Autor der Romane »Я«, »Hotel Metropol I–III« und »Der Schneeflockenforscher«, kehrt nach über 10 Jahren strikter filmischer Abstinenz mit einem Coup in sein Metier zurück.

Multimedial: Text und Filmclip in jeder Phase spontan aufeinander abgestimmt
Brandaktuell: Erzählt und veröffentlicht beinahe zeitgleich
Unmittelbar: Keine Nachbearbeitung, kein Schnitt, keine Schauspieler

 

Es kostet mich einiges an Überwindung, den Raum zu betreten, in dem er mit Tiffany seine Liebe ausleben wollte. Noch schwieriger ist es aber, meine Hand nach dem Lichtschalter auszustrecken. Soll ich so verwegen sein oder doch vernünftig bleiben? Ohne Notwendigkeit gefährde ich mich und meine Zukunft, aber ich könnte mich wie beim russischen Roulette danach noch besser fühlen. Vor allem aber hätte ich mir bewiesen, in einer schwierigen Situation aus freien Stücken die Gefahr auf die Spitze treiben zu können. Ich wäre endlich einer, der sich von seiner Angst nicht mehr in die Enge treiben lässt, das Schicksal sogar noch provoziert. Die Erfahrung daraus könnte für meine weiteren Unternehmungen hilfreich sein, und wer sich einmal überwunden hat, schafft es immer wieder.

Doch in einem Penthouse mit modernster Ausstattung lässt sich das Licht nicht so leicht einschalten wie bei mir zu Hause. Ich drücke vergeblich, bis ich merke, dass der Knopf zum Drehen ist. Nun aber erscheint das Schlafzimmer in einem Hauch von Rot. Ich glaube nicht, dass Tiffany dieser Abklatsch von einem Bordell gefallen hätte, mir aber kommt der schlechte Geschmack von Vinzenz jetzt zugute, denn die Reklamewände auf den Dächern rundum überstrahlen das schummrige Licht bei weitem, sodass ich von außen hier nicht zu erkennen bin.

Wie erwartet, ist das Bett zerwühlt, aber in einer Art, die an einen einsamen Menschen denken lässt. Auf dem Laken liegen alte Zeitungen und leere Verpackungen von Chips und Süßigkeiten, auf dem Boden Kleidungsstücke und leere Flaschen. Vinzenz scheint in den letzten Tagen seines Lebens alle Ordnung verlassen zu haben. Bestimmt hat es ihn eine große Anstrengung gekostet, sich in meinen Garten zu schleppen. Vielleicht ist er auch nur zu mir gekommen, um nicht allein sterben zu müssen. Und er hat es nicht schlecht getroffen. Ohne Aufsehen ist er im Keller verschwunden. Eine Bestattung auf dem Friedhof hätte ihm die übelste Nachrede beschert und seine Richterkollegen bei den unvermeidlichen Grabreden in größte Verlegenheit gebracht. So aber ist Dr. Vinzenz Wolf nur nicht auffindbar und beginnt irgendwo im Süden ein neues Leben.

Gegenüber dem Bett hängt ein einziges Bild. Auch ohne es jemals zuvor gesehen zu haben, erkenne ich es sofort. Sigurd Fürst hat es gemalt, an einem Tag vor über zwanzig Jahren in den Alten Arkaden auf dem Zentralfriedhof. Die Schöne ist Tiffany im Stil der erotischen Figur am Eingang zu den Gräbern. Im Winter und bei eisigem Wetter habe ich die Vorlage und Inspiration aus Stein gesehen, mit inzwischen abgeschlagener Nasenspitze und einer leeren Wodkaflasche zu ihren Füßen. Wodka wird auch damals mehr als genug geflossen sein, als der provokante Künstler beim Verewigen seiner Muse zum Grabschänder wurde. Tiffanys Jugend ist verschwunden, das Andenken daran aber geblieben. Wie auch immer Vinzenz zu diesem Gemälde gekommen ist, er hat Tiffany auf diese Weise bei sich gehabt. Von seinem zerwühlten Bett aus konnte er sie betrachten und entwürdigen.

Ich hänge das Bild von der Wand, nehme es aus dem Rahmen, nicht einen Splitter Holz aus dem Besitz von Vinzenz will ich an meiner Tiffany lassen. Ich drücke sie an mich, spüre die Erhebungen und Furchen der dick aufgetragenen Ölfarbe auf mir, doch bevor ich noch die Tragtasche mit den neuen Schuhen ergreife, meldet sich mein Verstand. Ich mache kehrt, wie schon so oft in diesen Tagen, drücke das Bild in den Rahmen zurück und stecke es in einen der großen Müllsacke aus der Küche. Vinzenz hatte genug davon, aber er ließ all den Unrat lieber auf den Boden fallen, aus Schwäche oder weil es ihm schon gleichgültig war. Aber ich habe eine Zukunft vor mir und schäme mich jetzt, beim Anblick eines jungen Mädchens den Kopf verloren zu haben. Jetzt ist alles wieder geordnet und geschafft, und ich verlasse das Penthouse mit allem, was mir gehört.

*

Zu Hause werde ich von der Katze begrüßt. Sie lässt es sich nicht nehmen, in die Tragtasche der Budapester zu schlüpfen, und auch Tiffanys Bild wird inspiziert. Doch dem Tier gefällt der Müllsack besser als das Gemälde. Das Dosenfutter habe ich vergessen zu kaufen, kommt mir in den Sinn. Seit dem Tod von Vinzenz ist jede Minute meines Lebens ausgefüllt, und eine Aufgabe, die ich erledige, zieht zwei neue nach sich. Ich breche den Bilderrahmen auseinander, mache mich auf in den Keller, nehme unterwegs auch noch den verlorenen Schuh von Vinzenz mit und werfe alles hinunter in die Finsternis seines Grabes. Das Loch in der Wand werde ich sobald wie möglich für immer verschließen.

*

Heute, Sonntag, genehmige ich mir aber dennoch ein paar Stunden Entspannung in dem wunderschönen Gastgarten meines Stadtheurigen. Der Kellner begrüßt mich freudig und hat mich schon seit Wochen vermisst. Er lobt meine Treue, ich bekomme sogar den überdachten Tisch, an dem ich immer sitze. Eine heimliche Freude beschleicht mich, dass mir nichts von meinem Tun und Handeln der letzten Tage anzumerken ist. Sollte er zu meiner Person befragt werden, wird er von einem Herrn Ludwig Redtenbacher erzählen, so wie er ihn seit jeher kennt, ohne die geringste Auffälligkeit. Nicht einmal die Brille meines Vaters trage ich. Keiner der Gäste rundum sieht in mir einen Menschen, der in seinem Keller eine Leiche liegen hat. Vor zwei Tagen, auf die Minute genau, ist die Kugel aus meiner Margolin über das Auge in das Gehirn von Vinzenz eingedrungen. Ich werde das erste Glas des aufgespritzten Weines auf ihn und sein Leben im Jenseits trinken.

Natürlich habe ich mir Arbeit mitgenommen. Zu meinen Zeiten als Richter waren es Akten, jetzt breite ich ein Spiel vor mir aus. Mensch ärgere dich nicht. Aus dem Koffer eines Unbekannten. Dieser Mann lässt mir keine Ruhe, wenn ich mir auch eingestehen muss, damit nur einem weiteren Phantom hinterherzujagen. Seine Reisen in den Zeiten zwischen den Kriegen, wahrscheinlich in der Blüte seines Lebens. Er dürfte um 1900 geboren sein, es ist sogar naheliegend, dass er als Soldat der Monarchie und dem Dritten Reich gedient hat. Aber vielleicht ist er auch dem Töten entkommen, denn militärische Relikte habe ich in seinem Koffer keine gefunden. Oder er wollte eben nicht daran erinnert werden, nur an schöne Tage in London oder Paris. Am meisten jedoch beschäftigt mich das Brettspiel. In manchen Augenblicken glaube ich sogar, die kleinen Figuren vor mir schon einmal gesehen zu haben.

Das wäre nicht verwunderlich, denn Mensch ärgere dich nicht war in allen Familien zu Hause, nur nicht bei uns. Mein Vater hielt es für Zeitverschwendung, bei genauem Nachdenken erinnere ich mich jetzt, dass er es mir sogar verboten hatte. Trotzdem bin ich sicher, dass ich diese kleinen Holzmännchen und den Würfel schon einmal in Händen gehalten habe. Sogar die Verpackung zu dem Spiel kommt mir immer bekannter vor, ihre kreuzförmige Einteilung, der Schriftzug auf dem Deckel, das Bild des Mannes, der sich aus Wut die Haare rauft. Aber ich bin nicht ein Verlierer wie er, wenn ich erst einmal die Gruft verschlossen habe, wird die Ausforschung des Kofferbesitzers meine nächste Aufgabe sein. Ich bekomme immer deutlicher das Gefühl, bald in eine Vergangenheit zu reisen, die sogar einiges mit mir zu tun haben könnte.

Aber ich werde wieder in die Gegenwart zurückgeholt. Oder bin ich schon von Hysterie befallen, dass ich an allen Ecken und Enden Bidis rieche. Mir wäre lieber, wenigstens hier Ruhe zu haben, aber ich muss dem Duft nachgehen, um sicher zu sein, auch wirklich keine Gelegenheit zu versäumen, dieser schönen Frau zu begegnen. Am Ende wird mir jedoch vermutlich wieder nur eine Fata Morgana entgegenkommen.

Und es ist wie erwartet. An keinem der Tische hier sehe ich Tiffany sitzen, weder in der Laube noch an der Schenke, und auch der herumkriechende Hund dort ist nicht der ihre. Mensch ärgere dich nicht. Ich schwöre mir, nie wieder etwas Unsichtbarem hinterherzuhetzen. Wozu auch? Wenn ich Tiffany sehen will, brauche ich doch nur nach Hause gehen und ihr Bild betrachten. Noch dazu stammt das Gemälde aus einer Zeit, in der sie nicht nur endlos lange Haare hatte, sondern auch eine Jugend, die man heute an ihr vergeblich sucht. Meine Tiffany gibt es nicht mehr. Ihr Bild ist gleich geblieben, aber sie ist eine andere geworden. Als ich das Licht im Schlafzimmer von Vinzenz anschaltete, habe ich das Schicksal herausgefordert, aber ich habe nicht gewonnen. Ich hätte Sigurd Fürsts Werk besser nicht entdecken sollen.

Schon will ich nach dem Weinglas greifen, um daraus Trost zu schöpfen, aber ich ziehe die Hand rasch zurück, denn auf dem Brettspiel steht plötzlich neben den kleinen Holzfiguren eine Dose Katzenfutter. Man hat mir also etwas hinterlassen. Tiffany war hier und hat mich mit einem vielsagenden Geschenk bedacht. Aus dem Hinterhalt gibt sie mir zu verstehen, dass sie von meiner neuen Mitbewohnerin weiß, ja, vielleicht sogar noch mehr. Ist sie mir beim Abtransport der Katze aus dem Penthouse zufällig in der Dunkelheit begegnet oder nach Plan und mit voller Absicht Zeugin meiner Verbrechen geworden?

Noch eine Erklärung gibt es. Tiffany hat von den verhängnisvollen Tagen und Nächten keine Ahnung, dafür weiß ihr ewiger Liebhaber mehr als genug. Ich habe damals sein Motorrad gehört, er hat mich gesehen. Mit Sicherheit schon bei meinem ersten Besuch im Penthouse, vielleicht auch letzte Nacht. Jetzt musste er nur eine Bidi rauchen, um mich in die Irre zu schicken. Mit seinem Präsent führt er mir meine Hilflosigkeit vor Augen. Nach und nach wird er mir verraten, was er beobachten konnte, und mich in den Wahnsinn treiben. Es war eben falsch, dass ich nicht auf Vinzenz gehört habe. Den Pflastersteinmörder hätte ich umbringen müssen. Jetzt aber ist Sigurd Fürst am Zug, und er hat bereits die letzte Runde eingeläutet. Mein Todfeind muss nicht einmal mehr sein Tauchermesser hervorholen, es genügt ein Griff zum Telefon.

Ich zahle und verschwinde. Den Wein lasse ich stehen. Um nicht auch noch dem Kellner verdächtig zu erscheinen, schiebe ich neben dem Brettspiel auch die Dose mit Katzenfutter in meine Tasche. In den Gassen verzichte ich darauf, nach Motorrädern Ausschau zu halten. Fürst hat es nicht mehr nötig, mich zu umkreisen, er ist längst dabei, die Schlinge zuzuziehen. Vielleicht fährt er sogar hinter mir her, um jederzeit eingreifen zu können. Bestimmt denkt er wie ich an meine letzte Möglichkeit, die hieße Flucht. Nur, wohin? Selbst mit genügend Geld käme ich nicht weit. Mein Pass liegt zu Hause, dort wo Vinzenz ist und seine Katze. Und es wäre ein Schuldeingeständnis für einen Mord, den ich nicht begangen habe.

*

Ich klettere in die Straßenbahn, die mich bis an meine Gartentür bringt. Wie oft werde ich diese Villa noch betreten können? Wahrscheinlich wäre es am besten, mich zu Vinzenz zu legen und mir mit meiner Margolin eine Kugel in den Kopf zu schießen. Aber eine solche Verzweiflungstat könnte auch der größte Fehler meines Lebens sein. Ich hätte mich ohne Notwendigkeit ausgelöscht, ohne Beweise das Todesurteil über mich gesprochen. Das Katzenfutter kann vom Pflastermörder kommen, aber genauso gut eine zärtliche Geste von Tiffany sein. Nur, ist diese Frau wirklich weniger gefährlich als Sigurd Fürst?

Das Telefon läutet. Er oder sie? Die Polizei? Oder jemand aus dem Justizpalast, der sich bei mir noch ahnungslos nach Vinzenz erkundigt? Ich habe nicht den Mut abzuheben. Aber schon einen Augenblick danach verfluche ich mich, weil es so leicht gewesen wäre, mir Gewissheit zu verschaffen. Jetzt muss ich davor bangen, dass man mich besucht. Entweder stehen Kriminalbeamte vor der Tür und erkundigen sich, wann und wo ich Herrn Dr. Vinzenz Wolf das letzte Mal gesehen habe, oder Sigurd Fürst wirft mir noch mehr Dosenfutter in den Garten, was mich nicht weniger quälen würde. Oder er tritt bei mir an, um sich für die Ermordung seines Nebenbuhlers zu bedanken. Aber vielleicht weiß er überhaupt nichts, hat mich nur mit der Katze aus dem Penthouse kommen sehen. Dort könnte inzwischen schon die Untersuchung über das Verschwinden eines hochrangigen Richters begonnen haben. Wann ist man bei mir?

Die Katze springt auf den Tisch und kratzt an der Dose mit Geflügel und Leber. Sie kann natürlich nichts riechen, scheint aber zu wissen, dass es Futter gibt. Sie miaut, braucht mich. Ich aber kann mir nicht vorstellen, das bedrückende Geschenk auch noch zu öffnen. Der Inhalt könnte vergiftet sein, oder mir blickt die Skeletthand eines Menschen entgegen. Das Telefon klingelt wiederum, und dieses Mal hebe ich ab, ohne auch nur einen Augenblick zu zögern. Alles ist mir recht, wenn nur die Ungewissheit ein Ende hat.

Die Stimme von Tiffany ist mir natürlich tausendmal lieber als das barsche Gebell ihres Herrn oder die hinterhältige Frage eines Polizeibeamten. Sie erkundigt sich, wie es mir geht, wartet aber keine Antwort ab. Sie möchte mich bald wieder treffen, denn sie braucht dringend meine Hilfe. Ob ich Vinzenz den Schlüssel bereits zurückgegeben hat. Bestimmt leide er sehr, aber besser ein schmerzhaftes Ende, als wenn er sich weiter falsche Hoffnungen mache.

Von nun an gehe ich einen Weg, von dem es nicht das kleinste Abweichen mehr geben kann. Ich antworte klar und fest, dass ich Vinzenz zu meinem größten Bedauern weder getroffen noch am Telefon erreicht habe. Er sei wie vom Erdboden verschwunden, aber man müsse sich keine Sorgen machen, denn er könnte ja in seinem Liebeskummer auch verreist sein, in den Süden, irgendwohin.

Tiffany schweigt. Ist sie enttäuscht von mir? Oder erleichtert, weil Vinzenz vielleicht gerade irgendwo eine andere findet? Aber sie verrät mir ihre Gedanken nicht und stellt mir stattdessen eine unerwartete Frage. Ob ich denn eine Katze hätte? Kein Tier gefalle ihr besser, Fische ohnehin nicht, und auch der Hund aus Malaysia sei ihr aufgezwungen worden.

Sie klingt ehrlich. So raffiniert lügen könnte nicht einmal ich. Wer immer mir die Dose auf den Tisch gestellt hat, Tiffany kann es nicht gewesen sein. Mein Misstrauen ihr gegenüber fällt ab wie eine erdrückende Last, ja, ich beginne sogar, von gänzlich anderen Dingen zu reden. Ich erzähle ihr, dass ich mir handgenähte Schuhe gekauft habe und dass mir das Französisch ihrer Rockmusik nicht aus dem Kopf geht. Sie lässt sich auf andere Gedanken bringen und verspricht mir sogar mit einem kaum hörbaren Lächeln, bei unserem nächsten Treffen eine Schallplatte ihrer Lieblingsband mitzubringen. Ich atme auf. Tiffany und ich sind zwei Menschen, die einander bestens verstehen könnten, wenn man sie nur ließe. Unsere Stimmen sind sogar durch das Vertrauen zueinander leiser geworden, das Miauen der hungrigen Katze übertönt uns beide. Jetzt gilt es nur noch eine Frage zu stellen, und ich muss einige Anläufe nehmen, um sie über die Lippen zu bringen. Warum hat sie das Blatt mit meinen Drohungen gegen Sigurd Fürst mitgenommen?

Tiffanys Antwort ist einfach und kurz. Mercedes. Eine Schreibmaschine mit einer solchen Bezeichnung müsse man sich merken. Dort stecke mein Papier. Anscheinend habe ich es noch nicht gelesen. Tiffany will noch wissen, wie meine Katze heiße. Ich vertröste sie auf unser nächstes Treffen. Schallplatte gegen Namen. Tiffany lacht und legt auf.

Nach ihrem ersten und bisher letzten Besuch habe ich das verhängnisvolle Papier überall gesucht, nur nicht dort, wo es am ehesten zu finden ist. Ich drehe jetzt das Blatt aus der Schreibmaschine. Sigurd Fürst wann zeigen si sich endlich sie mit ihrem Messer du ungeheuer ich werde dich töten! Meine Zeilen sind fehlerhaft und unbeholfen, in Kleinbuchstaben geschrieben. Tiffany hat einiges wenige hinzugefügt, aber die zwei Worte in den kräftig angeschlagenen Lettern genügen. JA! Darunter TIFFANY.

Jetzt bin ich nicht mehr allein, ein neues Leben kann beginnen. Sie hat Mut, versteckt sich nicht hinter Andeutungen. Tiffany hat einen Pakt mit mir geschlossen, ihn auch noch offen und ehrlich besiegelt. Schon vor Wochen, aber in meiner Blindheit bin ich daran vorbeigelaufen. Vielleicht musste ich Vinzenz erst in den Keller bringen, um für das Töten eines Menschen gerüstet zu sein.

Trotzdem werde ich für die richtigen Schritte Hilfe brauchen. Nach der endgültigen Bestattung von Vinzenz Wolf wird Boris Makarowitsch besucht. Aber schon jetzt springe ich wieder über meinen Schatten. Ich öffne die Dose und kippe das Futter auf einen Teller. Die Katze stürzt sich nach der Zeit des geschmacklosen Schinkens auf Geflügel und Leber. Soll ich meine neue Mitbewohnerin Minka nennen? Oder wäre Tiffany ein französischer Name lieber?