Zum Tod von Walter Thirring

Der Physiker Walter Thirring ist heute Nacht im 87. Lebensjahr gestorben. Zehn Jahre und fünf Bücher lang durften wir mit ihm zusammenarbeiten, zehn Jahre, in denen er uns durch seine Menschlichkeit, seine Originalität, seinen Witz und seine überragenden Geistesgröße immer neu in Erstaunen und Bewunderung versetzte. Die österreichische Wissenschaft hat mit ihm einen ihrer souveränsten Repräsentanten verloren.

Illustration: Walter Thirring © Miriam K. Trilety
Illustration: Walter Thirring © Miriam K. Trilety

 

Herbstprogramm 2014

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

viel ist heutzutage von der Gier die Rede. Sie ist eines der 7 Hauptlaster im Christentum, die Antike berichtet von König Midas, der verhungerte, weil alles zu Gold wurde, was er berührte. Aber nicht bloß Gold will die Gier. Sie will grundsätzlich von allem mehr. Rankings und Charts, Rekorde und Morde, Gipfelsiege, Spitzenplätze, sie strebt nach der Unendlichkeit der Zahl! Auch unsere Bücher lesen sich diesmal wie Variationen über die Gier: Als Schneller-Höher-Weiter taucht sie bei Alexander Pointner auf, als Trend zum Massenkommerz hat sich Toni Stricker ihr widersetzt, die Begierde bei Sissy Böhm ist eine Tochter der Gier, ebenso wie die krasse Akribie, mit der Fritz Lehners Polizeifotograf sein Handwerk versieht. „Gier fraß Schönheiten“, klingt das Thema im Prozesstagebuch des mutmaßlichen Serienmörders Jack Unterweger bei Astrid Wagner an. Irrwitzig, das Zitat, schockierend, aber deshalb nicht minder wahr: Gier frisst Schönheit, sie frisst alles, was Substanz in unserem Leben hat, Substanz und Bestand.

Dr. Maria Seifert
Verlagsleitung

 

Hier ist unser Herbstprogramm 2014 als PDF:

Katalog Herbst 2014
Katalog Herbst 2014
Karl Löbl

Karl Löbl ist in der Nacht vom Montag, 27. Jänner, seiner langen, schweren Krankheit erlegen. Einer Krankheit, die ihn nicht daran hindern konnte, bis wenige Wochen vor seinem Tod noch tätig zu sein, ganz so als ließe sich von einem wie ihm sogar das Unabwendbare abwenden. Geboren 1930 in Wien, begann Karl Löbl seine Laufbahn als Musikkritiker bei der »Weltpresse«, wechselte als Kulturchef zu »Bild-Telegraf« und »Express« und schließlich zum KURIER, wo er 1975 die Chefredaktion übernahm. 1955 heiratete er die Kulturredakteurin Hermine (Hermi) Kronfeld, die ihm bis zu ihrem Tod im Jahr 2012 eine kongeniale Partnerin war. Die Kinder Michael und Eva entstammen dieser 57 Jahre dauernden Ehe. 1980–1995 war er ORF-Kulturchef und gestaltete legendär gewordene Sendungen wie »Lieben Sie Klassik?« und »Klassik-Treffpunkt«. Kultstatus erlangte die TV-Sendung »Nach der Premiere«, in der er seinen Kommentar während des Schlussapplauses live vom Balkon aus abgab. 2006–2012: Musik- und TV-Kritiken, seit 2012 Programm-Texte für die Wiener Staatsoper sowie eine CD/DVD-Kolumne für die »Bühne«. Daneben veröffentlichte er Bücher und Tonträger. Auszeichnungen: Nicolai-Medaille in Gold der Wiener Philharmoniker, Renner-Preis für journalistische Unabhängigkeit, Rudolf-Henz-Ring der »Wiener Zeitung«.

Erst sehr spät konnte Löbl dazu gebracht werden, sich mit seinem eigenen Leben zu beschäftigen. Als dieses Leben sich bereits dem Ende zuneigte, ging er daran, seine Biographie zu verfassen. In der Folge ließ ihn das Bücherschreiben nicht mehr los:

Im Februar 2013 veröffentlichte er seine Erinnerungen »Der Balkonlöwe«, im November darauf folgte »Nach den Premieren«, sein Rückblick auf 70 Jahre Wiener Staatsoper. Und all die Zeit über schien es, als habe der Tod ein Einsehen mit so viel Esprit, Kreativität und Schaffensfreude und gewähre immer noch eine längere Frist.

So begann Löbl sein letztes Werk, eine Biographie, die einem Meister seines Faches gerecht werden sollte: »›Ich war kein Wunder!‹ Herbert von Karajan – Legende und Wirklichkeit«. Der Tod kam ihm diesmal knapp zuvor: Karl Löbl wird sein letztes Buch nicht mehr in Händen halten können. Aber die Kulturkritik wird auch künftig an ihm Maß nehmen müssen.

Karl Löbl

Frühjahrsprogramm 2014

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

„Vielleicht gibt es Meisterwerke, die unter Gähnen zustande gekommen sind“, meinte Marcel Proust einmal. Das trifft auf unsere Bücher gewiss nicht zu. Die haben ihre Schöpfer von Anfang an in Atem gehalten. Und dann uns. Und bald wohl auch Sie.

Dr. Maria Seifert
Verlagsleitung

 

Hier ist unser Frühjahrsprogramm 2014 als PDF:

Katalog Frühjahr 2014
Katalog Frühjahr 2014